SpielRaum

 

Theaterwerkstatt für Erwachsene 2015/16

Aufführung vom 13.07.2016

Filmdatei im MP4-Format auf Basis der Aufnahmen aus der Aufführung.
Dateigrösse ca. 860 MB; Film-Dauer: 01:12:28; Bildformat (H*B): 480 * 854 Pixel

Zugang zum Downloadbereich des Films: Durch_Passwort_geschuetzter_Freigabe_Link

Premiere (30.06)

Premierenbesprechung im Darmstädter Echo vom 2.7.2016:
"http://www.echo-online.de/freizeit/kunst-und-kultur/theater/schauspiel/die-kunst-ich-zu-sagen-theaterwerkstatt-auf-der-suche-nach-dem-selbst_17043447.htm"

Vorankündigungen Aufführung (18.05)

 Ich habe mich bewegt“ – Szenenfolge mit Texten aus Peter Handkes „Selbstbezichtigungen“

Termine
Premiere: Donnerstag, 30.06.2016
2. Vorstellung: Freitag, 01.07.2016
3. Vorstellung: Sonnabend, 09.07.2016
4. Vorstellung: Mittwoch, 13.07.2016
letzte Vorstellung: Donnerstag, 14.07.2016

Ort: Staatstheater Darmstadt, Kammerspiele
Zeit: jeweils 20:00 Uhr

Vorab Besprechung im „Darmstädter Echo“ unter: Mit Peter Handke und großem Chor (Echo Online, 23.06.2016)

Chronologisch rückwärts: Schlaglichter aus der Stücke-Werkstatt (11/2015 - 06/2016)

Sonderaufgabe „Lebensläufe“ (10.05)

Nein, wir sind nicht die „Kinder von Golzow“.  Aber unsere geschriebenen Lebensläufe (siehe 16.02.) schlummern noch auf dem Papier und warten auf die Wiedererweckung als Szene. Ich weiss nicht, was Meike getrieben hat, dies als Sonderaufgabe an drei Mitspieler zu delegieren – vermutlich hat sie selbst einfach keine zündende Idee gehabt und hofft jetzt darauf, dass sich das Problem durch Weitergabe lösen lässt. Eine nachvollziehbare Notoperation – dumm nur, dass es auch mich getroffen hat! Ich schwanke noch, ob ich Ihr eine böse E-Mail schreibe, mich schmollend vor den Fernseher setze oder mir etwa noch selbst den Kopf zerbreche.

Aber: Wie soll das denn gehen? Wie soll man 40 verschiedene Lebensläufe, die oft nur aus Satzfragmenten bestehen in eine spielbare Szene verwandeln? Ich fühle mich heillos überfordert und hadere mit meinem Schicksal. Götter der Dramaturgie: Werft mir bitte die ein oder andere Idee zu oder lasset diesen Kelch an mir vorüber gehen!

Probenalltag ( 12.4./19.4./26.4./03.05./10.05.)

Mal im Ballettsaal des Staatstheaters, mal im TAP; mal in Einzelgruppen, mal alle, mal mit mehr Energie bei der Sache mal mit weniger…So gehen die Dienstag-Abende dahin.

Es ist ein Puzzlespiel der besonderen Art: Die große Vorlage fehlt! Teile werden erfunden und wieder verworfen. Schemata entstehen und versinken wider, wenn sie nicht mit spielbaren Inhalten gefüllt werden können. Gross ist die Freude, wenn eine kleine Improvisation gelingt und ein Stück toten Textes zum Leben und Klingen bringt. Minuten der Begeisterung. Abgelöst durch den bangen Blick in den Kalender: Auweia, schon Anfang Mai!

Und dann: Die Disziplin mit ihren einfachen, schwer erfüllbaren Forderungen:
- Teilnahme zählt – wer nicht da ist, muss sich vorher abmelden und nachher informieren.
- Pünktlichkeit ist Pflicht – und Zuspätkommen so angenehm.
- Text muss ohne Blatt gekonnt werden – auch wenn er ohne Eselsbrücken daherkommt.
- Alle haben gleiche Rechte & Pflichten – aber wie verschaffe ich meinen Ideen Raum?

Osterferien (29.03. & 05.04.)

Dazu gibt’s nix zu sagen außer: Willkommene Abwechslung im Freizeitstress – es lebe der freie Dienstagabend!

Szenen - Verschnitt aus dem Ballettsaal (22.03.)

 Wieder umgibt uns der Dunst der Kunst des Staatstheaters. Heute werden im Balletsaal die ersten Übergänge zwischen einzelnen Szenen geprobt. Wieder heißt es Uffbasse! Wenn 40 Leute durcheinanderwuseln sind Unfälle nicht auszuschließen.

Und es zeigen sich die Unterschiede in der Probenbeteiligung der vorangegangenen Wochen. Sie äußern sich in den unfreiwillig hilflos anmutenden Wortmeldungen wie: „Ich war leider nicht da, worum geht es denn in dieser Szene eigentlich?“. Für einige, bereits fest vergebene Rollen, fehlen die Protagonisten. Sie müssen simuliert werden. Das kostet Zeit und Nerven, ist aber wohl der Preis der großen Gruppe.

Ob alle – wie eigentlich gefordert – den Text beherrschen, ist für mich nicht klar erkennbar. Solche Vorgaben helfen offenbar in Schule und Kindergarten, aber wenig bei erwachsenen Menschen.

Am Ende heißt es: Osterferien – zwei Wochen Probenfrei!

I walk in the park… (15.03.)

Theater ist wirklich kein Spass! Im Kreis marschieren und gleichzeitig chorisch sprechen hätte ich eher einer Armee als einer Bühne zugeordnet. Aber nach der Abschaffung der Wehrpflicht ist es vielleicht nützlich, koordiniertes Gruppenverhalten im Alltagsleben zu üben – wo lernt man sonst lautes Singen oder Sprechen im Laufschritt?

Glücklicherweise führen Frauen das Kommando – es macht die Sache zwar nicht grundsätzlich einfacher, aber irgendwie angenehmer. Ziel der Übung ist es, einen Text gemeinsam so scharf akzentuiert zu sprechen, dass der Wortsinn beim Hörer ankommt. Gleichzeitig soll das Ganze das Bild der sportlich organisierten Eile und Geschäftigkeit vermitteln – also gerade kein „Des Wandern ist des Müllers Lust“ verbreiten.

Mit dem Textblatt in der Hand, ein Auge wachsam auf den Vordermensch gerichtet, das andere den Text fokussierend, gleicht es einem bizarren Spurt einer heterogenen Horde von Leseratten auf ihrem eiligen Weg durch die Stadt-Wildnis. Der Lerneffekt fürs nächste Mal: Ohne Textblatt in der Hand und mit dem Text im Kopf hat man Augen und Hände frei und kann zügiger agieren. Schmerzhafte Zusammenstöße werden so vermieden.

Rebellische  Stückchen - Inszenierungsprobe (08.03.)

Es gilt, eine Aufgabe zu lösen:

Durchforsten eines Textes nach 3 Schwerpunkten:

1.) Regeln und ihre positiv wie negative empfundenen Wirkungen,

2.) Rebellion (Aufbegehren) und Revolution (gewaltsame Veränderung des Bestehenden),

3,.) Wie nehmen unterschiedliche Generationen die Welt wahr?

 

Ziel: Die Inszenierung einer Textstelle unter freier Verwendung des Textes.

Es bilden sich – so will mir scheinen – zwei unterschiedliche Lösungswege heraus:

Während die Einen tatsächlich versuchen, ihre Inszenierungsidee anhand der verwendeten Textstellen vorzutragen, begeben sich Andere auf eine Meta-Ebene des Erklärens. Statt die Idee vorzuspielen, wird erklärt, was die Idee transportieren soll, wie sie auf der Bühne aussehen soll, welche Wirkung bei Publikum sie hervorrufen soll.

Beim bloßen Erklären  steht man am Ende da, und weiß nicht so recht, ob das Erklärte auf der Bühne dann auch funktionieren wird. Weil: es sind zwei verschiedene Dinge – Ein Bild mit wirklichen Farben zu malen ist das Eine – das ungemalte Bild auf der weissen Leinwand zu erklären, ist das andere.

Ich bin – zugegebenermaßen – kein großer Freund von erklärter Kunst. Entweder man sieht etwas und Synapsen im Kopf springen darauf an oder man sieht etwas und es rührt sich nix. Dann hilft auch die beste Erklärung nicht weiter…

Probensonntag (06.03.)

Während andere Leute noch Wahlscheine ausfüllen, treffen wir uns schweigsam – die Stimmen sind bereits abgegeben – am Künstlereingang des Staatstheaters.  Es ist ein trüber, regnerischer Vorfrühlingstag, der so gar nichts dagegen zu haben scheint, dass sich Menschen lieber in geheizten und beleuchteten Innenräumen aufhalten.

Das Labyrinth der Theaterkunst verschlingt den Einzelnen! Was für eine Masse Beton liegt hier in Schichten aufeinander! Gänge wie in einem Bunker. Die Ebenen sind numeriert, die Treppenhäuser durchbuchstabiert – man ist auf seinen natürlichen Orientierungssinn zurückgeworfen. Weder GPS-Signale noch Mobilfunknetze dringen in diese Welt! Man fühlt sich im inneren eines riesigen Organismus, der mit seinen Organen Kunst produziert. Diese dringt durch gelbe Türen (und nur durch diese!) auf Bühnen oder in Orchestergräben um dort – ja was – gehört, gesehen, konsumiert beklatscht zu werden? Der Grosse Saal als Magen dieses Ungeheuers – rund herum die Zugänge für bis zu 8 Meter hohe Kulissen. Der Malsaal mit Tribüne zum perspektivisch korrektem Prüfen des gemalten, die Tischlerei, in der federleichte Bauten äußerer Eleganz entstehen die trotzdem Sicherheit durch doppelt- und dreifache Belastbarkeit bieten.
Dann der bekannte Geruch von Öl und Stahl: die Schlosserei – wo der Stahl zwar nicht gehärtet, aber zur Festigkeit der Kulisse verbaut wird. Was für eine Organisation!
Es sei bei einer neuen Produktion des Staatstheaters immer die erste Frage der Technik an den Produzenten: Wollt Ihr damit irgendwann einmal auf Tournee gehen? Wenn ja, müssen wir transportabel bauen,  wenn nein, können wir uns diesen Aufwand wenigstens schenken.

Es wird an diesem Tag auch aufgewärmt, es werden Szenen Ideen gesammelt, es wird geprobt – aber den Unterschied zu „sonst“ macht die Umgebung aus: Hier umgibt uns ein richtiges Theater – nicht nur ein staubiger Probenraum!

Brei-Probe (01.03.)

Da war doch einmal dieses Märchen vom süssen Brei, der aus dem Topf quoll und alles überschwemmte und überzog. Ein solcher Brei soll heute gestaltet werden. Allerdings nicht aus Milch und Grieß und Puddingpulver, sondern aus Darstellern auf einer Bühne!
Und da ein Brei eine Quelle haben muss, gilt es, zuerst aus stehender oder sitzender oder liegender Position seinen Körper in eine Art kriechende Lage zu bringen. Alle auf etwa gleicher Höhe. Herausragende Körperteile werden abrasiert!
Nun ist man ja nicht mehr der – oder die – jüngste und beweglichste.  Und wie immer, ist der Anfang am schwersten.  Da gilt es kopfüber vom Stuhl zu gleiten oder aus dem Stand so zu Boden zu gehen, das keine ruckartige Bewegung den fließenden Ablauf stört. Was für ein Brei!
Und zu allem Überfluss gilt: Augen zu! Es soll möglichst nicht geschaut werden. Na, das gibt ein Chaos!

Schreibstunde (23.02.)

Da ein „Stück“ erst dann auf der Bühne gespielt werden kann, wenn es zuvor geschrieben wurde, geht es heute um´s Schreiben. Als Vorlage dient ein holzschnittartiger, etwas steifer Grundtext mit sehr gradlinigen „Ich“-Aussagen. Dieser Grundtext soll jetzt Variationen erfahren.

Variation 1) Einfügen von Attributen. Die Aussagen des Grundtextes sollen durch Beimengungen von Attributen variiert werden. Es ist freigestellt, ob dies mono- oder dialogisch passiert.

Variation 2) Einarbeitung von Beispielen aus dem eigenen Erleben. Die prinzipiellen Aussagen des Grundtextes sollen durch Beispiele aus gelebtem oder erdachten Leben erfahrbar und damit fassbar gemacht werden. Diesmal soll es auf einen Dialog hinauslaufen.

Variation 3) Stilkopie. Der Schreibstil des Grundtextes soll benutzt werden, um eigene, konkrete Aussagen zu einem Text zu bündeln.

Anschließend werden die erarbeiteten Textfassungen vorgetragen. Dabei ergibt sich aus einem Vortrag heraus ein Strauß ethischer Fragen: Muss man zu allen aktuell diskutierten Fragen eine Meinung – oder sogar eine Haltung haben? Gibt es ein Recht auf persönliche Meinungs-Neutralität? Dürfen Mit-Diskutanten die Neutralität eines Teilnehmers dazu nutzen, ihm eine bestimmte Haltung „anzudichten“?

Andere Vorträge geraten weniger grundsätzlich: Das Beimengen von (unterschiedlichen) Attributen belebt den Grundtext und lässt sogar einander widersprechende Aussagen zu – je nach dem welche Attribute hinzugefügt wurden. Eine ganz lustige Sache, finden viele.

Der Gegenstand im Lebenslauf (16.02.)

Parallel zur Lösung der Ferienhausaufgabe „Lebenslauf“ sollte jeder Mitspieler einen Gegenstand von persönlichem Wert mitbringen. Privat übersetzt habe ich das Wort „Wert“ mit „Bedeutung“, da es wohl weniger um Wertvoll als mehr um Bedeutungsvoll geht.

Diese Gegenstände werden verteilt. Jeder darf sich einen Gegenstand auswählen, der nicht sein eigener ist. Nun besteht die Aufgabe darin, diesem Gegenstand eine Bedeutung im eigenen Lebenslauf zu geben und darum eine kurze Geschichte aufzuschreiben und vorzutragen.

Ich wähle ein kleines silbriges Geldstück – für mich stellvertretend für ein 10 Rappen Stück - obwohl es sich genau betrachtet, um ein australisches 5p Stück handelt. Daraus entsteht die kurze Geschichte „Sag nie Fränkli“.

18 Geschichten werden vorgetragen, eine sogar auf russisch. Alle hören aufmerksam und respektvoll zu.  Wenn es dem Erzähler gelingt, Aha-Effekte zu transportieren, wird das mit warmherzigem Beifall belohnt. Manchmal gelingt es nicht, dann bleibt der Beifall eher höflich.

Im LEGO-Land (Konzeptprobe13.02.)

Konzeptproben sind Trockenübungen verschiedenster Schwimmstile – ohne je den Beckenrand zu verlassen. Es sind die Diskusionen über „das Thema“ und seine Formen der Umsetzung. Für Liebhaber des Konkreten, Spielbaren sind sie nicht enden wollende Geduldsproben.

So ist es auch am 13.2. – und doch auch ein bisschen mehr. Die 45 Mitwirkenden wollen mit Rollen, Text und Kostüm versehen sein – das muss das Konzept hergeben. Es wird schnell klar, dass eine Trennung in „Haupt-“ und  „Nebenrollen“ wenig Sinn ergibt – deshalb wird „das Stück“ wohl eine Art LEGO-Baukasten, mit einem Stein(chen) für jeden.

Ersten Anhaltspunkt und praktische Bühnen-Übung bieten die „Lebensläufe“ aus der Ferienhausaufgabe. Sie werden in einzelne Zeitpunkte zerschnitten und als Vorlage für einen fiktiven Lebenslauf zufällig wieder zusammengemixt. In diesem „künstlichen“ Lebenslauf bilden die einzelnen Aussagen der „wirklichen“ Lebensläufe die Kristallisationspunkte, um die sich die Bühnenimprovisationen der einzelnen Mitspieler ranken.

Und so wird das „Thema“ spielerisch erforscht. Zuvor ist es theoretisch durchgekaut worden. Den Extrakt der Diskussion gibt das folgende Zitat (aus neutraler, weil nicht verwendeter Quelle) hoffentlich gut wider:
„… genausowenig, wie der Mensch mit einer ausgebildeten Vernunft auf die Welt kommt, steckt in ihm schon bei der Geburt der Kern einer Moral. Durch die Vernunft ist er zur Moral fähig, mehr nicht. Die Gesellschaft, in der er aufwächst, wird ihn mit den Werten und Tugenden vertraut machen, die sein Streben und Handeln so beeinflussen sollen, damit er ein Mensch wird, wie ihn die Gesellschaft haben will.“ (Zitiert aus [1])

Vertrauen wagen (09.02.)

Heute geht es um „vertrauensbildende Maßnahmen“. Nicht dass der kalte Krieg ausgebrochen wäre, nein, es geht nur darum, zu üben, dass man sich auf die Mitspieler verlassen kann.

Zum Aufwärmen wird getanzt. Einer beginnt, einen Bewegungsablauf zu tanzen und holt einen Partner dazu, der den Ablauf kopieren muss. Sobald die Kopie genau genug ist, darf sich das Original ausklinken und die Kopie ihre eigene Figur tanzen, um sich dann ihrerseits einen Partner als Kopie zu holen.

Mit viel Vertrauen kann man sich auch „Fallen-Lassen“. Das funktioniert nur angstfrei, wenn jemand da ist, der einen auffängt. In diesem Fall  ist das eine Gruppe von 5 Mitspielern, die stark und aufmerksam genug sind, den Fallenden abzufangen, bevor er aufschlägt.

Variation 1: Hoch-Heben bis zur Decke! Ein Mitspieler wird von ca 8-10 Anderen angehoben, getragen, gedreht und (bei ausreichendem Vertrauen) bis zur Decke emporgehoben.

Variation 2: Rennen in den Klumpen! Ein Mitspieler rennt mit verbundenen Augen auf die Bühnenwand zu. Die anderen fangen ihn ab, bevor er unsanft mit der Wand zusammentrifft. Jemand zählt die Schritte ab und wird damit belohnt, das die „Abfang-Mauer“ sich ein Stück nach vorn bewegt.

Hoch & Tief (02.02.)

Zip, Zap & Boing: Heute, in der wieder auf 20 Personen reduzierten Probenmannschaft, soll es „ernsthaft“ gespielt werden. Alle stehen im Kreis. Mit „Zip“ wird ein Impuls an den Nebenmann weitergegeben, mit Zap ein Imuls durch den Raum zu einer genau fixierten Person gesendet und mit „Boing“ wird ein ankommender Impuls geblockt, woraufhin der Absender einen neuen Versuch starten muss. Wer nicht schnell genug oder falsch reagiert, fliegt aus dem Spielkreis (und hat Pause).

Skulpturenkopie: Aus der Menge der herumlaufenden Mitspieler entscheidet sich einer für die Darstellung einer Skulptur. Alle sind eingeladen, sich die Skulptur anzusehen und einer baut sie mit seinem Körper nach. Erst wenn die Kopie genau genug ist, darf sich das Original in einen Spieler zurückverwandeln. Die Kopie darf genau ein Gelenk oder einen Gliedmaßen verändern, bevor sie selbst von einem Anderen kopiert wird.

Hoch &Tief(01): zwei Linien von Mitspielern stehen einander gegenüber.  Sie schreiten aufeinander zu und fixieren jeweils ihren Gegenüber. Aus Körperstellung, Gestik, Mimik soll deutlich werden, wer der einander gegenüberstehenden Personen eine „hohe“ oder eine „tiefe“ Stellung in der gemeinsamen Beziehung zueinander innehat. Nach und nach wird die Zahl der Ausdrucksmittel reduziert, bis nur die Augen übrig bleiben und die Blicke über den Sozialrang entscheiden.

Hoch &Tief(02): Zweier Improvisation „im Flur“ – aus einer kurzen Begegnung zweier Personen soll deutlich werden, wer „hoch“ und wer „tief“ angesiedelt ist.

Hoch &Tief(03): Zweier Improvisation „Terminvereinbarung“ – zwei Personen handeln einen Termin aus und wieder soll deutlich werden: wer ist „hoch“ und wer ist „tief“. Aber Vorsicht, der Status kann jetzt auch wechseln.

Abklatschen: Eine beliebige Zweier-Improvisation startet, die Aufgabe ist, den „Sozialstatus“ zu drehen. Wenn das passiert ist, darf „Abgeklatscht“ werden, das heißt, ein neuer Mitspieler schlüpft in die Position eines der beiden Partner und gibt der Improvisation aus der gleichen Position heraus einen ganz anderen Kontext.

Zunehmen und abnehmen: Es geht hier nicht um Pfunde und Speckfalten, sondern um die Anzahl an Mitspielern an einer Improvisationsübung. 2 Spieler Starten in Szene 1. Sobald ein dritter hinzukommt, ändert er den Spielkontext zu Szene 2. Wieder kommt einer hinzu gibt den Impuls für die Änderung zu Szene 3. Bis zur Person 5 nimmt die Anzahl der Spieler zu. Dann geht es anders herum. Entgegen der Reihenfolge ihres Erscheinens verschwinden die Spieler von der Bühne und der Kontext wird „zurückgeschaltet“, sodass zum Schluss die 2 Ursprungsspieler sich in Szene 1 wiederfinden und diese auflösen müssen.

Massenauflauf (26.01)

Ich will mit dem Schluss der Probe anfangen: Heute proben alle 4 Gruppen gleichzeitig – „normal“ (also daß,  woran wir uns gewöhnt haben) ist die Probe von 2 Gruppen a 10 Spieler zu einem Termin.

Es ist also wieder eng auf der Bühne des TAP. Und irgendwie ist es auch ein Rückgriff auf die Anfangszeit im November, wo eng „normal“ war.  Aber heute ist eng nicht normal und das bringen viele in der Abschlussrunde zum Ausdruck.

Und noch etwas kommt zur Sprache:  Die quälende Ungewissheit! Was wird sein, wenn es Ende Juni heißt: Vorhang auf zur Premiere! Was wird dann auf der Bühne stehen? Ein altgriechischer Chor? Ein Musical? Ein Ausstattungsstück aus lauter Miniaturen? So viele Unbekannte….

In der Probe wird (wieder) gelaufen, agiert und reagiert, Texte werden chorisch gesprochen, Ein Haufen wird gebildet, dirigiert und zerfällt, Impulse werden mit Zip, Zap, Boing weitergegeben.

Ein bekanntes Problem tritt verschärft auf: Ehj, wie heißt Du eigentlich – ja Du, mit dem schwarzen Pullover…… wer (außer Nike) schafft es, sich 40 Namen zu merken?

Zum Schreien (19.01.)

Das ganze Gegenteil der letzten Probe: Heute wird es laut (und lauter). Wer schwächelt oder piepst, bekommt ein Wurfgeschoss als Unterstützung für den letzten Schrei.

Zuerst heißt es wieder Aufwärmen durch Laufen im Raum und Erkunden der Umgebung und der eigenen Bewegungsabläufe. Dann machen sich einzelne Körperteile selbständig und wollen flüchten. Das Knochengerüst zerfließt und Mensch wird wirbellos. Da liegen sie nun wie die Käfer auf dem Rücken und zappeln mit den Beinen – uff, ganz schön anstrengend.

BA-MA, BA-MA-WA, BA-MA-WA-GA: Rhythmisches Silben-Brüllen, sich ins „GA“ hineinsteigern, bis der Hall des „GA“ den Raum erfüllt und uns selbst erschreckt innehalten lässt: Waren wir das? Oder brüllt da wer anders?

Gemüseschimpfen: Den Partner lauthals beschimpfen und niederbrüllen, Verbal an die Wand schreien und akustisch martern mit: GEMÜSESORTEN – 16 Jahre Kohl sind wieder gegenwärtig!

Obstschleimen: Den Partner hin- und herkomplimentieren, bewundernd anschmachten, sich einschleimen mit: OBSTSORTEN – auch Sauerkirschen sind erlaubt – das ist Geschmackssache.

Zungenbrecher: Wieder kommen sie zum Einsatz – siehe „Fischers Fritze…jep jo“.

Was macht einen Chor zum Chor? – Der gemeinsame Rhythmus! Einer atmet vor, dann haben alle den Einsatz und los geht’s: „Ehne mehne mopel – wer frißt Popel?“

Gruppenarbeit zu fünft – einige der folgenden Sätze chorisch darbieten:
„Ich habe den Pluspol mit dem Pluspol verbunden.
Ich habe äußerlich anzuwendende Arzneien innerlich angewendet.
Ich habe Ausstellungsgegenstände berührt.
Ich habe mein Gesicht nicht durch Creme gegen die die Sonne geschützt.
Ich habe mit unzureichendem Schuhwerk Berge bestiegen.
Ich habe das Obst nicht gewaschen.
Ich habe Haarwasser vor dem Gebrauch nicht geschüttelt.
…“

Schweigen im Walde (12.01.)

Heute ist es still auf der Bühne im TAP. Es gilt ein raumweites Sprechverbot für die Mitspieler. Nur die 3 Häuptlinge dürfen reden – welch schreiende Ungerechtigkeit – aber Schreien ist heute eben nicht erlaubt! Informationsübertragung findet trotzdem statt: man kann auch mit Augen, Körper, Gliedmaßen sprechen – es geht dann eben etwas ruhiger zu.

3 –Figuren-Bilder: Ähnlich dem „Sherrif-Spiel“ sind drei nebeneinanderstehende Mitspieler Akteure nach zufälliger, überraschender Auswahl der Person in der Mitte. Auf eines der Kommandos: „Affen, Känguru, Toaster, Palme“ müssen die 3 Ausgewählten die durchs Kommando bestimmte Figur darstellen. Die Abstimmung unter den Drei erfolgt dabei nur durch aufmerksames gucken – Sprechen ist ja nicht erlaubt. Die Figuren:
Affen: nicht hören, nicht sehen, nicht sprechen – jeder der 3 Darsteller bildet eine Geste ab, alle Gesten müssen dabei sein, keine darf doppelt sein.
Toaster: der „Mittelmann“ ist das Brot, die beiden Außenleute mimen mit den Armen die Heizflächen.
(kotzendes) Känguru: der Mittelmann spannt die Arme zum Beutel, die Aussenleute spucken (symbolisch) in diesen hinein. Dabei sind Laute gestattet.
Waschmaschine: der Mittelmann kreist als Trommel mit dem Kopf, die Außenleute stellen den Maschinenrahmen.
Palme: der Mittelmann wedelt nach oben, die außen zur Seite.

Spieglein-Spieglein-Wer-Führt-Wen:  In Zweiergruppen wird trainiert, sowohl auf eigene Bewegungen, als auch auf die des Partners zu achten. Dabei stehen die Partner einander gegenüber und bilden jeweils das Spiegelbild der Bewegung des Anderen. Es ist nicht nur nicht bestimmt, wer führt – Sinn der Sache ist, die Führung des Bewegungsablaufes immer wieder wechseln zu lassen, ohne das die Synchronizität der Bewegung unterbrochen wird.

Grenzen spüren: Wann tritt ein Anderer in meinen persönlichen Bereich ein? Wieviel Nähe lasse ich zu? Wann entsteht durch Abstand ein neues Gefühl für den Gegenüber? Diese Fragen beantwortet das Aufeinander-Zugeh-Spiel, bei dem gestoppt wird, sobald einer der Partner einen Grenzübertritt spürt.

Zu-Mir-oder-zu-Dir:  Kann man den Partner ohne Berührung, nur durch Blicke und Gesten, auf seine Seite ziehen? Wie stark ist die eigene Anziehungskraft? Am Ende fällt meist eine Entscheidung zu einer oder der anderen Seite. Aber manche Paare gehen auch wieder auseinander oder können die Mitte nicht verlassen.

Volleyball (ohne Ball): Man sieht nur den Impuls aus der Bewegung des Spielers der anderen Mannschaft und soll darauf spielgerecht reagieren.  Die Flugbahn des imaginären Balles läßt sich nur ungefähr abschätzen und so gibt es den ein oder anderen Massensprung (nicht zu verwechseln mit dem Quantensprung).  So ganz überzeugend sieht das Spiel ohne Ball aber nicht aus, auch die Mitspieler scheinen nicht so sehr begeistert vom Spiel zu sein – das Übrigends meist unentschieden endet und etliche imaginäre Bälle verschleißt.

Tanz-Puzzel: Das Spiel der Wahl für eingeübte Ehepaare – Ohne Berührung, aber immer eng verschlungen, durch Bewegung, Gesten, Mimik Gefühle und Beziehungen zum Ausdruck bringen. In der späteren Phase darf auch fremdgepuzzelt werden – dann gelten die Blicke plötzlich anderen Mitspielern und neue Partnerschaften ergeben sich, während alte schmerzvoll zerbrechen.

Theaterquatsch (22.12.)

Heute, 2 Tage vor Heiligabend nur noch gemütliches Zusammensein bei Keks und Glühwein.
Da nicht alle immer nur rumsitzen wollen (oder können) gibt es kurze Aktivitätseinlagen:
- Die Grundschritte im Salsa inklusive Platzwechsel und wer hat, kann und will: Damendrehung,
- Klatsch-Spiele im großen Kreis – eine Konzentrationsaufgabe.

Damit die Ferienzeit bis zum 12.01.2016 nicht zu lang wird, soll jeder die maximal zehn schönsten, wichtigsten, prägendsten Ereignisse seines Lebens, angefangen mit der Geburt, aufschreiben.

Monster mutiert zur Prinzessin (15.12.)

Der Kreis ist – der Gruppenteilung wegen – kleiner als gewohnt. Aber immer noch groß genug!
Sherrif: Der Sherrif, in der Mitte des Kreises postiert, schießt mit der Zeigefingerpistole auf einen Kreisangehörigen. Dieser duckt sich weg und seine Nachbarn müssen ein Pistolen-Duell ausführen. Der Sherrif bestimmt über Leben und Tod.

Raum&Person-Erkundungen: Merke Dir schnell, wo Du bist, und wo – z.B. der Notausgang sich befindet! Alle laufen auf der Bühne herum, auf ein Klatschen hin ist Stillstand, alle Augen sind zu und mit geschlossenen Augen soll in Richtung eines bestimmten Gegenstandes oder einer Person gezeigt werden.

Prinzessin&Monster: Der Kreis löst sich auf in Paare. Eines dieser Paare, später mehrer, bekommen die Rollen von Monster = Böse, brummelig und schwerfällig; und Prinzessin = flink, piepsich und flüchtig zugesprochen. Das Monster soll die zugehörige Prinzessin jagen. Die Prinzessin kann bei einem anderen, unbeteiligt stehenden Paar Schutz suchen, worauf sich die äussere Person abspaltet und zum neuen Monster wird. Das „Alte“ Monster erlebt eine Metamorphose zur „neuen“ Prinesssin und damit den Wechsel vom Jäger zum Gejagten. Es geht furchtbar chaotisch zu!

Fallen in 10 Zeiten: Der Spielleiter zählt bis 10.  Die Anfangsposition ist gerades Stehen, die Endposition (bei 10) ist gerades Liegen. Auf jede Zahl soll – möglichst präzise - ein Körperteil bewegt werden. Die Verschärfung: Das Ganze zu zweit – mit implizit durch Bewegung erzählter Geschichte.

 Bewegungs-Canon: Alle stehen in einer Reihe hintereinander, Im Blick den (Stier-)Nacken des Vordermannes (der Frau). Der Erste in der Reihe bewegt bei jedem Klatschen des Spielleiters ein (möglichst gut sichtbares) Körperteil. Beim jeweils nächsten Klatschen wird genau diese Bewegunng durch den Nachfolgenden Kopiert (u.s.w.).

Skulpturen Bauen: von den – vielleicht 6 - Personen einer Gruppe dürfen die folgende Anzahl von Körperteilen Bodenkontakt haben: 2 Rücken, 5 Füße, 6 Hände, 1 Nase.
So, mit diesen Vorgaben baue man eine Menschen-Skulptur!

Abschlussrunde (wieder im Kreis): Man darf seinen Senf loswerden, muss es aber nicht – die nächste Gruppe steht ja schon draußen in den Startlöchern.

Entschuldigt bei der Probe gefehlt (08.12.)

Wegen der Generalprobe zum Weihnachtskonzert des ESOC-Chores (siehe: http://www.ren66.de/SATB) habe ich die Theater-Probe sausen lassen – man kann eben nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen…..

Der Tag der Entscheidung (01.12.)

Heute ist der Tag der Entscheidung, wo ich die Dienstagsabende des kommenden halben Jahres verbringen werde.  Wenn ich mich dafür entscheide, weiter mitzumachen, habe ich bis zum 30.6. 2016 jede Woche einen festen Termin im Kalender. Unentschuldigt Fehlen – das geht gar nicht! Und ich bin um 120 EUR ärmer, aber um einen Dauer-Gästeausweis des Staatstheaters reicher.
Schwierige Entscheidung – und keiner da, der sie mir abnehmen kann…..

Nike erledigt den Orga-Krempel (Geld einsammeln, Listen füllen, Fragen beantworten).
Die verbliebenen ca. 40 Mitspieler müssen allein miteinander klarkommen, wozu 5-er-Gruppen gebildet werden, die jeweils kleine Szenen erarbeiten. Aufgabenstellung: Was ist wichtig im Leben… (na ja, also eine so konkrete Aufgabe habe ich schon lange nicht mehr bekommen….)

Im Ergebnis gibt es 8 oder 9 Mini-Stücke, die unterschiedlicher kaum sein könnten – ein Hinweis auf die Unterschiedlichkeit Ihrer „Macher“? Bis 22:22 Uhr harre ich aus – dann gilt: Schluss für heute!

Fischers Fritze … jep joh! (24.11.)

Wieder dienstags im Kreis: Diesmal sind es weniger Mitspieler – vielleicht 50. Viele bekannte Gesichter, wenige Neue. Was das letzte Mal nicht gelang, funktioniert heute: wir können auf der kleinen Bühne einen Kreis bilden!

Grimassenweitergabe: es geht darum, vom eigenen „Vordermann“ eine Grimasse abzunehmen, sie möglichst getreu im eigenen Gesicht zu kopieren und dann eine selbst gewählte andere Grimasse an den Nachfolger weiterzugeben. Das gesetzte Thema für die Grimassen ist: Weinachten! (Ein weites und fruchtbares Feld, auf dem so manche Grimasse gedeiht…)

Zauberknete: Nike knetet eine imaginäre Masse zwischen ihren Händen, formt daraus einen Zylinder, spitzt die Enden an und zieht imaginäre Schalenstreifen von diesem Etwas ab. Sie hält das Etwas in der Hand, beißt hinein und gibt es als halbangebissene Banane an den Ersten im Kreis weiter. Dieser isst die Banane nicht weiter – das wäre ja ekelig – sondern stampft die unsichtbare Zauberknete wieder ein, um einen neuen Gegenstand erstehen zu lassen, teilt ihn kurz (oder länger) mit seinem Nachbarn und überlässt ihn dann der Fantasie des Nebenmenschen – Mann oder Frau.

Motte & Fledermaus: Alle sind Nachttiere und haben die Augen geschlossen. Die Überzahl der Motten auf der Bühne wird von 2 Fledermäusen gejagt. Bewegungen müssen von Tönen begleitet werden, um Gefahren zu orten. Nur wer stillsteht, darf schweigen. Die Fledermäuse piepsen, die Motten flüstern „Motte, Motte, Motte….“ Am Ende sind die meisten Motten gefangen und die beiden Fledermäuse piepsen allein auf der Bühne.

Töne, Chor & Rhythmus: Gibt es einen Hang zur Harmonie? Setzen sich einzelne Töne in einer Gruppe durch? Wie schnell gelingt es, einen Rhythmus aufzunehmen, um als Chor zu agieren? Die Übungen geben Antworten…

Vorstellung auf dem grünen Sofa: Da keiner Keinen kennt, besteht die Aufgabe darin, den jeweils anderen vorzustellen. Paare finden sich zusammen, fragen und erzählen zuerst untereinander, dann wird das Paar sichtbar für alle auf einem grünen Sofa platziert und jeweils ein Partner stellt die Person des Anderen vor. Alle dürfen zuschauen und hören und sich wundern, erstaunt sein oder sich langweilen – ja nach Geschmack.

Zungenbrecher:
Fischers Fritze fischt frische Fische – Moin!
Frische Fische fischt Fischers Fritze - joh.

Fritz Schiffer isst frische Fische,
Frische Fische, die Fischers Fritz fischt – jep joh!

Zungenbrecher II:
Wenn der Benz bremst,
brennt das Benz-Bremslicht…..

Abschlussrunde: Was war gut? Was war schlecht? Wer fühlt sich wie? – 3 Sätze pro Person sind erlaubt, um die eigene Meinung kund zu tun. Es werden manchmal mehr.

Vom Kreis zum Klumpen (17.11.)

Oh, Oh! Was für eine Masse Mensch! Und dann auch noch gefühltes Durchschnittsalter 24! Hier bist Du wohl falsch! Dreh mal schnell Deinen Rollator wieder um und mach Dich vom Acker…
Halt, Du hast zu Studentenzeiten schon mit der Axt in der Hand als Graf Öderland auf der Bühne gestanden – also: bitte etwas mehr Mumm auf die alten Tage! Es wird schon irgendwie gehen….

Der Kreis: Nein, es geht nicht! Auf dieser Bühne haben keine 70 Menschen in einem Kreis Platz! Aber in 2 Kreisen geht es! Man steht einander gegenüber und betrachte den Anderen wie ein Kunstwerk. Sehr genau! Haare, Gesicht, Hals, Augen – immer wieder Augen! Sie sind wie Magnetpole: Anziehend! Anderes ist vielleicht abstoßend – darüber darf man schweigen.
Praktizierte man dieses optische Abtasten in der Straßenbahn – keine 2 Stationen würde das gutgehen und man läge mit dem umgehängten Vorwurf des „Stalking“ auf dem Trottoir!

Komplimente: Beide Kreise bewegen sich gegeneinander, sodass jeweils eine andere Person ins Blickfeld rutscht. Die Aufgabe ist, dieser Person Komplimente zu machen! Oh Hölle! Das habe ich mein Lebtag nicht geübt! In unserer Familie dominierte die beißende Kritik, vorgetragen durch rhetorisch geschulte Münder – aber selten das Lob! Und nu im Halbminutentakt Komplimente erfinden, die eben nicht so ganz erfunden klingen sollten (wie ich mir selbst vornehmen): Das ist  Schwerstarbeit!

Puppenspiel: Die Kreise sind aufgelöst und je zwei Personen finden sich in der Rolle des Puppenspielers und der Puppe wieder. Die unsichtbaren Fäden und Stangen müssen angezeigt werden, damit die (oder der) Puppe Chancen hat, den Bewegungen des Spielers zu folgen. Nach und nach wächst das Volk der Puppen zu einer Gruppe, einem amorphen Klumpen, zusammen, den ein Dirigent über die Bühne führt. Das geht nicht ohne kleinere Zusammenstöße und frustrierte Dirigenten.

Mimik auf Befehl: Die Aufgabe ist, eine durch wenige Adjektive beschriebene Gefühlsäußerung auf das eigene Gesicht zu zaubern. Man steht mit der Front zum Publikum an der hinteren Bühnenwand, hört dann – z.B. „Wut“ – und geht nach vorn, um sein „wütendstes“ Gesicht zu präsentieren. Nacheinander passiert das mit „Total Verknallt“, „Ängstlich“, „verzagt“ und anderen Verhaltensmustern.

Abschluss-Klumpen: Alle zusammen als Bewegungs-Chor auf der kleinen Bühne! Es ist eng wie morgens in der Regionalbahn nach Frankfurt. Die gemeinsame Bewegung entsteht aber nicht durch Anfahren und Abbremsen des Zuges, sondern durch Nikes Dirigat. Unerbittlich quält sie den Klumpen in gelenkbelastende Positionen. Zum Glück finden zum Schluss alle ihre eigenen Gliedmaßen wieder und versammeln sich zur Abschlussrunde.

Mitteilungsrunde: Es ist wie früher in der (längst untergegangenen) Telefonzelle: Fasse Dich kurz! Es warten noch 50 andere! Und so entsteht ein Meinungsbild aus 2-8 dahingeworfenen Sätzen pro Person. Die einen sprechen, weil sie „dran“ sind und sich nicht zu schweigen trauen, andere bringen Ihr Gefühl in einer konkreten Situation auf den Punkt. Häufiges Resümee: die 3 Stunden sind vergangen wie nix und man kommt gerne wieder….

Ankündigung (10.11.2015)

Wie gut, dass man manchmal von seinen Zielen abweicht! Durch „danebenklicken“ landete ich nicht auf der gewünschten Seite für den Kauf von Eintrittskarten, sondern auf:

https://www.staatstheater-darmstadt.de/mitmachen/mitmachen-in-der-freizeit.html

Wo es heißt:
„Dieser Schauspielclub richtet sich an alle ab 18 Jahren, die Lust haben, sich auf der Bühne auszuprobieren. Geprobt wird dienstagabends, gespielt im Sommer auf der Bühne der Kammerspiele.“

Oh, an alle? Man darf also selber…? Und die anderen müssen still sein und zuhören…?
Na dann Alter: Gib deinem Affen Zucker und nix wie hin….

ren66 ab November 2015

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Quellennachweis:
[1]: Ulrich Wickert, „Der Ehrliche ist der Dumme“ (Über den Verlust der Werte), Essay, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1994,